Wem bei dem ganzen "hängt ihn sofort und ohne auch nur noch darüber zu diskutieren" Ton gegen Stallmann auch so mulmig wurde, empfehle ich mal die Lektüre von Fefe's Blog. Eventuell sogar mal die Lektüre der Original-Aussagen, die einem heute ja immer so schön vorinterpretiert werden, dass man sich da auf keinen Fall eine eigene Meinung bilden sollte.

blog.fefe.de/?ts=9ea1bb5d

Ist eigentlich sonst keinem die Ironie aufgefallen, dass dieser offene Brief, der ja angeblich die "gewichtige Teile" der Freien Software Gemeinde vertreten soll, ausgerechnet auf github, also auf einer Microsoft Plattform vorgetragen wird?

Hätte man sich als Drehbuchautor nicht besser ausdenken können...

@dzu
Auch bezeichnend, dass auf der GitHub-Seite dieses "Open Letter's" inhaltliche Änderungen und Diskussionen explizit als off-topic/nicht erwünscht deklariert sind (oh, waren, dieser Text wurde wohl rausgenommen, aber Issues sind natürlich abgeschaltet.). Aber gut zu sehen, dass es mittlerweile auch eine paar "revert sign"-Commits gibt.

@dzu
Wow auch immer, ich denke, mit diesem guten Artikel ist eigentlich alles gesagt.
wetheweb.org/post/cancel-we-th

@tsdh Danke für den Link, ich bin zu spät dazu gekommen, ihn durchzulesen, würde ihn jetzt aber als Pflichtlektüre bezeichnen.

Habe heute wahrgenommen, dass es jetzt schon jemanden gibt, der ein Chrome Plugin geschrieben hat, um die Leute die _für_ RMS unterschrieben haben, direkt auf github zu "markieren" 😭

twitter.com/aaronbassett/statu

Wenn ich da jetzt mal keine böse Absicht unterstelle, dann ist das schon krass, wo die guten Intentionen mal "so schnell" hinführen können.

@dzu
Ja, von Diskussion und Fakten ist man hier schon längst angekommen.

Auch lesenswert und mit guten Punkten, wenn auch zu fanatisch vorgetragen (vom Maintainer von Libreboot, der auch trans ist): libreboot.org/news/rms.html

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@dzu
Ja, das Free Software movement zu repräsentieren nehmen beide Seiten in Anspruch, und da liegen wohl beide nicht richtig. Ich finde beide Unterschriftenaktionen falsch, denn damit werden nur harte, unversöhnliche Fronten geschaffen.

@tsdh Ich fühle mich als Teil dieser Bewegung und sehe ich mich von keiner Seite repräsentiert, richtig.

Mich hat aber richtiggehend schockiert, wer alles die erste Liste unterschrieben hat, die doch so offensichtlich heftig polemisch war. Schon die Anmassung, als Aussentehender (es waren nur wenige FSF Mitglieder auf der Liste), den Rücktritt aller Vorstandsmitglieder zu fordern?

Und dann haut auch noch die FSFE so ein Statement dazu raus, da habe ich schon an mir selbst gezweifelt....

@tsdh Ich bin so vor 15-20 Jahren RMS mal in München bei einer Demo gegen Software-Patente über den Weg gelaufen. Da hatte ich das Bedürfnis, mich bei ihm für die unglaubliche Leistung zu bedanken, Freie Software gegen all die Widerstände aus dem Boden gestampft zu haben.

Als ich ihm dann ganz stolz erzählt habe, dass ich meine Zeit im Linux Umfeld einbringe, hat er nur gemeint "So I have to thank you for furthering the Free Software movement, but you surely mean GNU/Linux"

@tsdh Das Zitat ist nach all den Jahren bestimmt nicht 100% korrekt wiedergegeben, aber die Tatsache, dass er sich bei _mir_ bedankt hat, hat mich nachhaltig beeindruckt.

Aber zu dem Zeitpunkt hatte er bei mir schon den "Halbgott" Status (ja, ja, ist nie gut, war aber so). Ich hatte vor noch längerer Zeit mal was auf der gnu.comp.emacs.sources Newsgroup gepostet (hieß die so?). Klar fand ich den Code cool, aber als eine Antwort von rms persönlich kam, war ich doch geplättet.

@tsdh In der Mail waren super Vorschläge, wie man den Code noch verbessern konnte, aber ein Vorschlag hat mir arges Kopfzerbrechen bereitet. Das machte einfach keinen Sinn, das ging so nicht.

Als ich mir dann irgendwann sicher war, habe ich also die Änderungen so eingebaut und wieder gepostet, mit dem Hinweis, dass ich den einen Vorschlag einfach nicht verstehen würde.

@tsdh Als er dann zugegeben hat, dass das wirklich nicht sinnvoll war, wurde mir schlagartig bewusst, dass er meinen (interaktiven) Code noch nicht _ein einziges Mal_ ausgeführt hatte, aber trotzdem all die Möglichkeiten gesehen hat, wie man das besser machen kann.

Sowas hatte ich (und habe ich auch seitdem nicht mehr) erlebt.

@tsdh Eine Zeit lang habe ich versucht mit stallman.org/ "Schritt zu halten", aber das ist für einen normalsterblichen in meinen Augen nicht möglich. Mir ist aber die krasse Stringenz aufgefallen, alles so weit als möglich - auch und gerade wenn es weh tut und nicht dem "Mainstream" entspricht - zu durchdenken.

Rückblickend ist die einzige Frage, eigentlich nur über welches Thema genau der Sturm losgeht....

@dzu
Das mit dem Durchdenken habe ich auch schon mehrfach erlebt, wo seine initiale Antwort nur "I have to think about it" war und dann nach zwei, drei Wochen eine lange, präzise Antwort nachgereicht wurde.

Gerade diese Fähigkeit, niemals aus einem Impuls heraus zu handeln sondern sich beliebig viel Zeit zum Nachdenken zu nehmen gepaart mit seiner Kompromisslosigkeit in Bezug auf "user freedom" machen ihn zu einer guten und absolut wichtigen Führungsfigur im Free Software movement.

Wobei "Führungsfigur" hier eher Vordenker ("thought leader") meint. Auf technischer oder Projektebene macht RMS schon seit längerem nicht mehr viel. Hier kann er aber kompensiert werden. Als Vordenker und öffentlichwirksames Sprachrohr und Erklärer der Ideen und Ideale von Free Software fällt mir aber kein Ersatz ein, der das könnte und auch wollte.

@dzu
Ging mir genauso. Zunächst habe ich gedacht, die Organisationen wie GNOME, KDE, X.Org etc. wollten sich nur eiligst aus der Schusslinie nehmen wollten, um selbst keinen PR-Schaden zu erleiden. Aber so wie deren Statements formuliert sind, erhärtet sich beim Leser nur der Eindruck, dass die Vorwürfe gesicherte Fakten wären. Und da auch (soweit ich weiß) nix Klarstellendes hinterherkam, liegt die Vermutung schon nahe, dass einigen Köpfen dieser Organisationen RMS ein Dorn im Auge war, bei dem man jede Chance ergreifen muss, ihn abzusägen. Wenn man sich die Führungen dieser Organisationen ansieht, dann ist da viel Bezug zu Firmen wie Red Hat, IBM, Google usw. die lieber mehr (permissive) Open Source (aka "free labour for big corps") als Free Software hätten. Dass die keine RMS-Fans sind, ist somit klar.

@dzu
Gnmpf, jetzt hat die Diskussion auf der GCC-Liste angefangen, ob man sich nicht von FSF und GNU distanzieren/trennen kann...

gcc.gnu.org/pipermail/gcc/2021

@tsdh Argh. Davon hatte ich noch nichts mitbekommen.

Nachdem ich mir noch ziemlich viele Gedanken über diese Entwicklungen gemacht habe, bin ich nun noch etwas pessimistischer geworden. Wie Du ja auch schon angedeutet hast, gibt es in der Zwischenzeit sehr große finanzielle Interessen, die mit der freien Software zusammenhängen. Anzunehmen, dass sich hier ein Diskurs von begeisterten Einzelpersonen abspielt und keine knallharten Interessen dahinterstecken, wäre - milde gesagt - naiv.

@tsdh Also überlegen wir mal, warum jetzt gerade die FSF so in den Fokus dieser Schmierkampagne gerät. Was hat die FSF, was andere nicht haben?

Darauf fallen mir zwei direkt zwei Sachen ein:
1. Durch die strikte "transfer of copyright" Policy (die immer wieder angefeindet wird und wurde), ist die FSF Eigentümerin einer erheblichen - attraktiven - Codebasis und

2. Die Auswirkungen der "Version x or later" Klausel in der GPL.

@tsdh Wer eine neue Version der GPL schreiben kann, hat sehr viel Macht über eine noch größere Codebasis, nämlich der unter dieser "or later" Klausel veröffentlichten Projekte.

@tsdh In diesem Licht ist das plötzlich gar nicht mehr so abwegig direkt den gesamten FSF Vorstand zum Rücktritt aufzufordern. Warum nicht gleich Nägel mit Köpfen machen und sich nicht mit dem Marginalisieren des - einfach zu verunglimpfenden - RMS zufrieden stellen.

Das Klima in den letzten Jahren der Cancel-Culture verspricht einen relativ einfachen Erfolg einer solchen Kampagne. Es traut sich ja fast niemand mehr etwas gegen die krassen Vorwürfe zu sagen (mich selbst eingeschlossen).

@tsdh Ich wäre für einen Realitätscheck dankbar - sind diese Überlegungen vollkommen abwegig?

@dzu
Ich würde vielleicht nicht von einer konzertierten Aktion ausgehen, aber ich denke schon, dass sich viele aus ganz anderen Gründen dankend an den Zug mit anhängen.

Mich hat schockiert, wie viele Leute, von denen ich eine gute Meinung hatte (und grundsätzlich immer noch habe) und denen ich im Fedi oder Twitter folge, sofort an der Verbreitung der Vorwürfe mitgemacht haben. Wenn man in so einer Blase ist, überlegt man sich schon zweimal, - 1/2

ob man sich zu dem Thema öffentlich äußern soll. Ich denke, so geht es vielen. Und da wird es dann ja schon gefährlich, wenn Menschen, die für Offenheit, Inklusion, Safe Spaces und Code of Conducts etc. stehen ein Klima schaffen, in dem progressive und liberale Menschen wie du und ich sich scheuen, frei ihre Meinung zu äußern. @dzu - 2/2

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